Wie alles begann…

Jetzt kommt mal was über mich und wie ich zu diesem Blog gekommen bin:

Schon seit meiner Kindheit habe ich mit vielen (Lebensmittel-)Allergien, Asthma und Heuschnupfen zu kämpfen. Regelmäßige Medikamenteneinnahmen und der Verzicht auf verschiedene Obst- und Gemüsesorten waren alltäglich. Mit der Zeit kamen immer mehr Allergien dazu, dadurch war ich irgendwann sehr stark eingeschränkt in Bezug auf Essen.
Die Veränderung kam dann mit meinem FSJ. Dieses habe ich in einer anthroposophischen Einrichtung für Menschen mit Behinderung absolviert. Ich habe dort im Kinderbereich gearbeitet, trotzdem habe ich viel von den verschiedenen Werkstätten, in denen die Bewohner tätig waren, mitbekommen. In der Landwirtschaft und in der Gärtnerei wird ausschließlich in demeter-Qualität angebaut. Die Ernte wird im dortigen Hofladen verkauft oder in der Verarbeitungsküche zu dem Essen für Bewohner und Mitarbeiter weiterverarbeitet. Ich habe natürlich auch mit gegessen und im Hofladen meine Lebensmittel gekauft und es tat mir gut.
In dieser Einrichtung wird nicht nur biologisch angebaut, man bekommt jeden Tag den Wert ihrer Anbauweise vermittelt: Der Mensch hat die Aufgabe die Welt, und hier im speziellen den Boden, zu schätzen, ihn zu pflegen. Im Gegenzug bekommt er gesundes Essen, dass seinem Körper gut tut. Das gemeinsame Essen wurde mit verschiedenen Sprüchen begonnen. Mein Lieblingsspruch ist dieser: „Erde die uns dies gebracht, Sonne die es reif gemacht. Liebe Sonne, liebe Erde, euer nie vergessen werde.“ Dieser Spruch schätzt den Wert einer Welt im Gleichgewicht.
In dieser Einrichtung waren außerdem zwei anthroposophische Ärzte tätig. Aufgrund meiner vielen Allergien (und weil ich es satt hatte im Frühling zwei Mal täglich Cortison zu inhalieren) habe ich mich dort in Behandlung begeben. Und die Lösung war so simpel. Gegen meinen akuten Heuschnupfen und dem damit verbundenen Asthma inhaliere ich seitdem zwei Mal täglich Gencydo von Weleda mit etwas Kochsalzlösung (ca. einen Monat vor Beginn der Heuschnupfenzeit). Gencydo ist „einfach nur“ Citrussäure, gewonnen aus Quitten. Zusätzlich nehme ich von DHU ein Heuschnupfenmittel und ebenfalls von Weleda Augentropfen und Nasenspray. Bei akuten Allergien oder Ausschlag  nehme ich Calcium Quercus Globulis. So komme ich wirklich gut durch das Jahr und kann auf die konventionellen Medikamente und ihre Nebenwirkungen verzichten. Durch eine Bioresonaztherapie bin ich meine Milcheiweißunverträglichkeit losgeworden. Diese Therapie funktioniert auch bei anderen Allergien, kostet aber leider etwas, weshalb ich meine anderen Allergien nicht damit behandelt habe.
Von den beiden Ärzten wurde mir außerdem eine Umstellung auf Bioessen empfohlen, weil die Zusätze in konventionellen Produkten die Ursache für meine Allergien sein könnten.
Also habe ich beschlossen ab dem Zeitpunkt nur noch im Bioladen einzukaufen. Eine Freundin war der Meinung, dass ich das nicht durchziehen würde und so kam es zu unserer Wette: Ich habe gewettet, dass ich ein Jahr lang in keinem konventionellen Supermarkt einkaufen würde, sie wettete dagegen.
Das war jetzt vor 3 Jahren und seitdem habe ich nie mehr in einem konventionellen Supermarkt eingekauft. Bis auf eine Ausnahme letztes Jahr, aber dazu komme ich später.
In diesem Jahr habe ich mich immer wieder an die Lebensmittel rangetraut, gegen die ich allergisch war. Zu Anfang sind mir immer wieder meine Lippen und mein Hals angeschwollen, Genuss ist etwas anderes. Aber mit der Zeit hat es aufgehört. Und ihr glaubt nicht, wie lecker ein Apfel oder ein Pfirsich nach 10 Jahren Verzicht schmeckt!! Diese Wette hat sich wirklich gelohnt, weil ich nach so langer Zeit endlich wieder (fast) alles essen kann!
Jetzt zu meiner Ausnahme: Letztes Jahr im Sommer war ich in Spanien zu Besuch bei meiner Familie. Ein Teil wohnt in der Nähe von Valencia in einem kleinen Dorf, der andere Teil in der Nähe von Jaén, auch in einem kleinen Dorf. Und das war das Problem. In diesen beiden kleinen Dörfern gab es natürlich keinen Bioladen und ich dachte mir, dass eine kleine Ausnahme schon gehen würde und habe das Essen aus dem dortigen Supermarkt gegessen. Nach 2 Wochen war mein halber Rücken und mein Dekolleté mit einem Ausschlag vom Feinsten übersät, bei jeder Mahlzeit ist mein Hals zugeschwollen und ich habe 4 kg abgenommen. Zum Glück war der nächste Stop Granada, wo ich dann einen kleinen Bioladen finden konnte. Nach einer Woche war der Ausschlag dann wieder weg. Erst dachte ich, dass diese neuen Allergien ja wieder einen total starke Einschränkung wären. Aber dann fand ich Gefallen daran. Durch meinen bewussten Konsum habe ich meinen Körper so sensibilisiert, dass er bei schlechtem Essen Alarm schlägt. So bin ich darauf angewiesen gesund und gut zu essen. Und als ich im Nachhinein die Zutaten des konventionellen Essens gelesen habe, da hat mich gar nichts mehr an meinem Ausschlag gewundert.
Ich habe angefangen Bücher zu lesen und Dokumentationen zu schauen, die sich mit dem Thema Lebensmittel, Konsum, Gesundheit etc. befassen und habe bemerkt, wie schlimm es teilweise um diese Welt und ihre Bewohner steht. Habe mich über Großkonzerne aufgeregt (und auch immernoch), weil Mensch, Tier und Welt so unter ihnen leiden müssen. Ich ärgere mich aber auch über die Menschen, die erst was an ihrem Konsum verändern würden, wenn es sie selbst betreffen wird. Das ist so schade. Großkonzerne, Firmen, Supermärkte, etc. richten ihr Angebot nach der Nachfrage der Kunden. Leider gibt es viel zu viel Nachfrage nach billig produzierten T-Shirts, Brötchen, Bananen, etc. Der Konsument hat es also auch in der Hand. Deshalb kaufe ich mein Essen im Bioladen. Aber ich kaufe dort auch Waschmittel, mein Shampoo usw. Ich möchte keine großen Firmen mehr unterstützen, die es mit der Welt nicht gut meinen und nur an dem eigenen Profit interessiert sind. Meine Kleiderschrank besteht zu 80% aus Second-Hand Klamotten. Zum Sommer- und Winterschlussverkauf lädt mich meine Oma zu Hessnatur, Grüne Erde und Gudrun Sjöden (in Frankfurt liegen diese Läden alle direkt nebeneinander) ein. Und auch ich finde dort schöne, moderne Klamotten. Im Internet gibt es schöne Alternativen zu den billigen Klamottenläden.
Letztens hatte ich in der Uni eine Strumpfhose an, die mich 40€ gekostet hat, und habe erzählt dass ich diese schon seit 4 Jahren besitze. Niemand wollte mir das glauben. Strumpfhosen für 4€ das Stück können eben keine gute Qualität haben. Investiert man etwas mehr in ein Kleidungsstück, kann man sich schon sicherer sein, dass man länger etwas davon hat. Eine Kommilitonin hat auf die ganzen verdutzten Gesichter mit einem schönen Spruch geantwortet: „Wir sind zu arm, um billig einzukaufen.“
Das nächste Mal greift man dann vielleicht doch lieber nicht zu dem 8€ T-Shirt, sondern schaut sich nach einem schönen Second-Hand Shop oder einem Bio-Shop um.

Vor kurzem wurde ich von einer fremden Person gefragt, ob ich reich wäre. Ich habe ganz verdutzt gefragt, wie er denn darauf käme. Seine Antwort war: „Deine Tasche ist voll mit Bioprodukten.“ Nein ich bin nicht reich. Ich habe einen 450€ Job, den ich in manchen Monaten fast gar nicht ausreize. Und ich bekomme Studentenbafög. Also ich kann wirklich nicht von mir behaupten, reich zu sein. Aber ich setze meine Prioritäten. Ich rauche nicht und ich muss auch nicht jedes Wochenende für viel Geld feiern gehen. Ich unternehme gerne viel, aber das muss ja nicht immer etwas kosten. Klamotten kaufe ich mir auch gerne mal, aber das muss ja nicht jeden Monat sein. Meine Prioritäten liegen bei einem bewussten Konsum. Wenn man es wirklich möchte, dann geht es auch. Ich kann trotzdem noch in den Urlaub fahren und gleiche sogar manchmal meinen Flug auf klima-kollekte.de aus. Wenn man eine ganze Familie zu ernähren hat, dann stelle ich mir das schwieriger vor, aber trotzdem kann man ja immernoch ausgewählte Produkte in Bioqualität kaufen. Direkt bei mir um die Ecke sind Alnatura, Basic und denn’s Biomarkt (ich bin sehr verwöhnt was das angeht). Die haben immer etwas im Angebot (diese kann man auf der Internetseite einsehen) und dann kaufe ich beispielsweise mehrere Packungen Nudeln oder Waschmittel, wenn es im Angebot ist. Einkaufen wird dadurch zeitaufwendig, aber ich gehe gerne einkaufen und nehme mir die Zeit gerne. Aber man muss sie eben auch haben. Demnächst möchte ich mit zwei Freundinnen durch verschiedene Supermärkte gehen und herausfinden, wie stark (oder eben auch nicht) sich die konventionellen Preise von den Bio-Preisen unterscheiden. Die Ergebnisse findet ihr dann in meinem Blog.

Ich habe das Gefühl, dass ich endlich meinen Platz gefunden habe. Ich möchte Gutes tun und für mein Handeln und meinen Konsum Verantwortung zeigen. Ich möchte etwas verändern. Die Mutter von meinem Freund hat letztens zu mir gesagt, dass ich ihr beim Einkaufen jetzt immer im Nacken sitze, das finde ich toll 😀 Bewusstsein zu schaffen ist mir sehr wichtig geworden. In meinem Umfeld sind solche Themen immer öfter im Gespräch und viele Menschen sind sich über ganz viele Sachen noch nicht bewusst, durch Unterhaltungen mit ihnen, rege ich sie (hoffentlich) zum Nachdenken an. Und so werden es Stück für Stück mehr, die etwas verändern wollen.
Danke an Kert, der den ganzen Biokram in unserer Wohnung zulässt und der sich mit mir überall auf die Suche nach einem Bioladen macht.
Danke an Inga und Laura, ihr seid meine Ökofreunde 🙂 ihr teilt meinen Weltschmerz und tragt so viel zu einer guten Welt bei.

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